Chatuchak Market und rote Hemden

Der frühe Vogel fängt den Wurm oder wie es in unserem Fall besser heißen sollte: der frühe Touri macht das Schnäppchen. Es sollte zum Chatuchak Weekend Market gehen. Das ist ein Markt, der eher einer Kleinstadt gleicht, denn 22.500(!) Buden bieten hier jedes Wochenende 150.000 Menschen alle Waren dieser Welt feil. Von geschnitzten Blumen über Batik-Hunde-Strampler bis hin zu Lautsprecherersatzteilen kann man hier alles finden, wenn man nur lange genug sucht und man sich nicht vorher ausgetrocknet und verdurstet im Labyrinth der Gänge verlaufen hat. 3h haben dort ausgehalten und ich habe nichts(!) gekauft. Wenn man nichts wirklich braucht, dann muss man doch auch nichts kaufen, oder? Na, ein Erlebnis war es in jedem Fall.

Chatuchak Markt…eine kleine Stadt für sich.

Um den Kaufrausch komplett zu machen sind wir dann noch ins MBK Center in der Stadtmitte gefahren und haben uns dort in die Technik-Etagen begeben. Ich muss schon sagen, es war sehr verlockend die ganzen iPhones und Blackberries zu sehen…aber leider bin ich nicht Fan genug, um Original und Fälschung zu unterscheiden. Allein am Preis geht das leider nicht. Also: wieder Geld gespart.

Die Tuchabteilung.

Abends war ich dann noch mal allein in der Stadt unterwegs und musste zu meinem Verwundern feststellen, dass es überall relativ dunkel war. Das lag daran, dass die meisten der großen Einkaufszentren geschlossen hatten. Das wiederum war sehr ungewöhnlich für Bangkok und die Uhrzeit (ca. 19Uhr) an einem Samstagabend. Den Grund dafür hab ich auch sofort entdeckt und der war, nunja, nicht schwer zu übersehen. Die Red-Shirts, die wir gestern Abend noch so ruhig in der Altstadt gesehen hatten, waren im Laufe des Tages in die Innenstadt und das Finanzdistrikt vorgerückt und haben komplette Straßenzüge besetzt und damit lahm gelegt. Sicherheitshalber wurden alle Shoppingmalls geschlossen und Strassen von der Polizei weiträumig abgesperrt. Da Robert nun aber auf der falschen Seite der Hochbahn ausgestiegen ist, befand er sich nördlich der Demonstration, die sich von West nach Ost (oder andersherum) erstreckte. Mein Hotel lag aber südlich von der Demonstration. Das wiederum stellte mich vor ein Problem. Die Stimmung der Demonstrierenden war aber überhaupt nicht aggressiv oder feindselig und so schlenderte ich ein wenig (in einem weißen Shirt!) an den Rothemden (doofes Wort) vorbei. Als es mir zuviel Rot wurde, bin ich in eine Parallelstrasse der Hauptstrasse ausgewichen und musste feststellen, dass es auch noch dunkler in Bangkok werden kann. Hier brannten nur vereinzelt Glühbirnen, aber die Menschen gingen ganz normalen, unverdächtigen Tätigkeiten nach. Sie aßen und kochten und schwatzten. Also fühlte ich mich nicht unwohl und ging zielstrebig dem Ende der Gasse entgegen, das ich auch ohne Probleme erreichte. Ich hatte aber immer noch ein Problem: die Demonstration befand sich immer noch zwischen mir und meinem Bett. Mittlerweile war es schon 22Uhr und Robert ein wenig hungrig. Also aß ich einen Salat der sich mit etwas Fleisch zwischen zwei Brötchenhälften befand bei einer kleiner, amerikanischen Hochgenusskette und hatte mir soviel Mut angegessen, dass ich es wagte, mich mitten in die Demonstration zu wagen und sie zu durchqueren. War gar nicht schwer und wie gesagt, es war eher so ein Gefühl, wie durch die Loveparade in Berlin zu laufen. Musik spielte aus vielen Autos und von vielen Trucks, Menschen lachten und tanzten…es war eher wie ein Volksfest. Ich kleiner Angsthase war aber dennoch froh, das Hindernis überwunden zu haben. Man weiß ja nie, wie schnell so eine entspannte Situation umschlagen kann. So lief ich dann nach Hause und kam schweißgebadet unter meiner Dusche zum Stehen. Der Schweiß war kein Angstschweiß, sondern wieder das Produkt der gnadenlose Hitze in der Betonwüste und dem fehlenden frischen Wind.

Rothemden in Aktion.

Rechts ist ein geschlossenes Einkaufszentrum in der Innenstadt zu erkennen.

Am nächsten Morgen sollte es zeitig wieder zurück nach Singapur gehen und das klappte ja auch, wie ihr hiermit sehen könnt, ganz hervorragend. Das Militär hatte sich schon vor dem Flughafen in Position gebracht und so konnte man einigermaßen sicher sein, das Flugzeug zu erreichen und gut abzufliegen. Wieder ein sehr schönes Wochenende in Bangkok und wieder gab es etwas Neues zu entdecken und zu erfahren. Bangkok wird mich wohl noch öfter sehen…

6 Gedanken zu „Chatuchak Market und rote Hemden

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