Vom Bryce Canyon zum Yosemite Nationalpark – ein Höllenritt

Um nicht mehr allzu viel Zeit in der Wüste abzuhängen, ging es heute nun endlich geradewegs nach Westen. Eigentlich hatten wir geplant in der Mitte von Nevada eine Nacht zu bleiben um dann morgen in Richtung Yosemite Nationalpark weiter zu fahren, aber daraus wurde nichts. Dazu später mehr. Aufstehen: 7h00. Abfahrt: 8h17. Wir hatten keine Zeit zu verlieren und haben nicht mal gefrühstückt. Fragt nicht, warum wir dann über eine Stunde zum Losfahren gebraucht haben. So ein Wohnmobil braucht eine gewisse Zeit um fit für die Fahrt zu werden. Abwasser ablassen, Strom abkoppeln, Wasserleitungen kappen, Frischwasser nachfüllen und Ausparken. Letzteres darf hier nicht unterschätzt werden!




Jedenfalls waren wir dann on the road, um die Mountain Time Zone wieder zu verlassen. Wir sind Richtung Cedar City gefahren um uns dann von dort querfeldein nach Nevada durchzuschlagen. Kurz an einer Tankstelle ein Polizisten-Frühstück eingenommen (Donuts und Kaffee), das Auto vollgetankt (Ihr glaubt gar nicht wie oft man riesige Mengen an Benzin in so ein Motorhome hineinkippen muß!) und ab ging’s nach Westen.

Vorbei an vereinzelten Häusern und einigen niedrigen Büschen und immer gerade aus. Bis dann auch das letzte Haus an uns vorbei gezogen ist und wir uns mitten in einer endlosen Leere befanden. Ich Fachkreisen wird sowas wohl Wüste genannt. Zumindest konnte man vom einen Ende des Horizonts zum anderen schauen ohne ein Hindernis zu sehen. Die Straßen gingen immer schnurgeradeaus und verloren sich dann am Horizont im Nichts bzw. im Flimmern der heißen Luft. Mutig wie wir waren sind wir aber trotzdem immer bis zum Ende der Straßen gefahren und haben schnell gemerkt, dass die Welt an diesen Punkten nicht zu Ende ist und wir nicht von der Scheibe abfallen.


Links und rechtes zogen gewaltige Salzseen an uns vorüber und wechselten sich mit immer wieder farblich und strukturell variierenden Felsformationen ab (ich könnte auch expressionistische Bilder analysieren 😉 ). Area 51 lag zeitweilig links neben uns und auch die Hinweise am Highway selbst verdeutlichten, dass wir uns auf nicht mehr ganz terrestrischen Untergrund (angeblich…tse) befanden: „Extraterrestrial Highway“ stand zum Beispiel auf einem Schild und ein UFO baumelte von einem Kran herab…ziemlich unglaubwürdig 😉


Aufgrund mangelnder WCs musste Ronny die Wüste wässern ;-)

Als wir an unserem eigenlichen Tagesziel angekommen waren, ging uns, um es deutlich zu sagen, der Arsch auf Grundeis. So ein heruntergekommenes Nest hatten wir noch nie gesehen. Wenn jemand von Euch „Waterworld“ gesehen hat, dann hat er eine annähernde Vorstellung aus was für Teilen hier Häuser, Autos und Shops gebaut wurden. Unglaublich wie dreckig die die Stadtsilhouette aussah. Hier wollten wir keine Sekunde länger als notwendig bleiben. Schnell das Auto vollgetankt…und oh Gott….die drei Damen von der der Tanke stärkten ins uns noch einmal das Gefühl, hier so schnell wir möglich weg zu müssen. Diese 3 Stellvertreter des weiblichen Geschlechts hatten eine sehr große Ähnlichkeit ohne dabei Drillinge zu sein. Eine nicht ganz erlaubte Verwandtschaft ist da sicher nicht auszuschließen…aber das ist nur meine Spekulation und gilt ohne Beweise, wir hätten den Genpool sicherlich bereichert, die Lust kam aber gar nicht erst auf. 😉


Wir also schnell abgedüst und da hab ich es schon kommen sehen. Dunkel Wolken am Horizont gaben mir das Signal, dass ich wieder wer war. Ich bin ein Regenmacher! Da Wasser ja das Gold und Öl des nächsten Jahrhunderts ist, hab ich also gute Voraussetzungen zum Leben erster Klasse…hihi. Es ist unglaublich. Monatelang hat es hier sicher nicht einen Tropfen Wasser gegeben und kaum kommt Robert, dann fängt es an zu schütten. Naja, der Natur gönne ich es ja, aber ich hätte eben gern so eine stereotypisch anmutenden Wüstenlandschaft gesehen. Auf jeden Fall sind wir ja nur auf der Durchreise und wollen Urlaub im sommerlichen Kalifornien machen. So dachten wir.


Das Weisse da unten ist wirklich Schnee...

Auf der Passstraße an der Grenze von Nevada zu California gibt es einen nicht allzu hohen Berg (ca. 4000m) und was fanden wir da vor? Richtig: Schnee! Gut, dass ich meinen Pullover und meine Jacke doch aus Deutschland mitgenommen hatte. Ein paar kurvenreiche und hügelige Straßen weiter (macht Spass, wenn man gerade auf’s Klo muß – sehr zu empfehlen!) fanden wir uns dann am Ufer des Mono Lake wieder und hatten quasi freie Sicht darauf. Eigentlich merkwürdig, denn ein Wald sollte die Sicht eigentlich behindern. Aber die letzen Waldbrände hatten den Sichtschutz so minimiert, dass nur noch ein paar angekokelte Äste und Stämme übrig waren.

Unser neues Ziel des Tage hiess: Yosemite Nationalpark. Nachdem wir unsere Uhren wieder umgestellt hatten (wir wollten nicht wieder ausgelacht werden), schluckten wir kurz bei den kalifornischen Benzinpreisen und begaben uns auf einen Campingplatz direkt im Nationalpark. Hier gibt es zwar keinen Strom und kein fließendes Wasser, dafür aber ein Plumpsklo (echt wahr!), viel Wind, einen schnieken See, schneebedeckte Wipfel um uns herum und Temperaturen von 3°C. 1A Sommerwetter also. Also wenn es in Deutschland dieses Jahr keinen Schnee gibt: nicht so schlimm, ich hatte welchen.


Noch ist es einigermaßen auszuhalten am See unseres Vertrauens!

Heute Nacht wird eine Mutprobe werden, denn wir werden ohne Heizung im nicht isolierten Wohnmobil schlafen und im Morgengrauen dann den Schwarzbären die Tatze schütteln. So zumindest der Plan. Wenn hier weitere Einträge erscheinen, dann haben wir beides überlebt 😉

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