{"id":77,"date":"2009-02-27T17:18:33","date_gmt":"2009-02-27T15:18:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mistarix.de\/singapore\/?p=77"},"modified":"2009-02-27T17:18:33","modified_gmt":"2009-02-27T15:18:33","slug":"cu-chi-tunnel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mistarix.de\/singapore\/2009\/02\/27\/cu-chi-tunnel\/","title":{"rendered":"Cu Chi Tunnel"},"content":{"rendered":"<p>Die Agenda f\u00fcr den heutigen Tag sah vor, dass wir den Vormittag mit einem Besuch der lokalen Niederlassung unseres Unternehmens verbringen sollten, um uns dann nachmittags auf den Weg zu den so genannten Cu Chi Tunnel zu machen. Gesagt getan. Nach einer kurzen aber knallharten Verhandlung \u00fcber den Fahrtpreis des Taxis zum Werk in der N\u00e4he des Flughafens kamen wir auch p\u00fcnktlich zur vereinbarten Zeit (11:43Uhr) an und so trennten sich unsere Wege f\u00fcr ein paar Stunden.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" src=\"http:\/\/www.mistarix.de\/singapore\/images\/IMG_0186.jpg\" alt=\"Blick aus unserem Hotelfenster\" \/>Blick aus unserem Hotelfenster (ja, h\u00f6her sind die H\u00e4user in HCMC nicht)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><!--more--><\/p>\n<p>Der Weg zum Werk war wieder ein Erlebnis. Sagen wir mal der Verkehr war wieder ein Erlebnis, denn die H\u00e4user und Strassen sehen allesamt gleich aus: 1-2 Stockwerke, im Erdgeschoss jeweils ein Laden der von alten Fahrradschl\u00e4uchen bis hin zum Automatikgetriebe alles auf Vorrat hat und gleichzeitig dem Besitzer auch das Dach \u00fcber dem Kopf zur Verf\u00fcgung stellt, das er des n\u00e4chtens ben\u00f6tigt, wenn er sich in das Bett legt, dass direkt neben dem Getr\u00e4nkek\u00fchlschrank steht. So spart man sich die Nachttischlampe.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" src=\"http:\/\/www.mistarix.de\/singapore\/images\/IMG_0203.jpg\" alt=\"Strassenbild\" \/><\/p>\n<p>Wie gesagt, durch ein Wirrwarr von identisch aussehenden Strassen im irren Tempo von 17,8km\/h umzingelt von Myriaden von Mopeds kommt man sich schon sehr leicht wie ein Alien vor, der mit seinem Raumschiff von der Gr\u00f6\u00dfe einer Nu\u00dfschale in einem Ameisenhaufen gelandet ist, in dem die automatische Verkehrsf\u00fchrung ausgefallen ist \ud83d\ude09<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" src=\"http:\/\/www.mistarix.de\/singapore\/images\/IMG_0210.jpg\" alt=\"Strassenbild\" \/><\/p>\n<p>Auf meinem kurzen Erkundungstrip rund um das Werk herum traf ich auf Strassenk\u00fcchen, skurrile Transporte auf eigenwilligen Selbstbauten von motorisierten Gef\u00e4hrten, freundliche Menschen, die einem gern ein paar Dinge verkauft h\u00e4tten, Sch\u00fcler mit Halstuch, die wirklich fr\u00f6hlich waren und dem wei\u00dfen Fremden zu winkten und lachten (ich hoffe, dass sie mich an- und nicht ausgelacht haben!) sowie Hinterh\u00f6fe, die man nach einem fl\u00fcchtigen Blick auf die Fassaden der H\u00e4user, so nicht vermutet h\u00e4tte.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" src=\"http:\/\/www.mistarix.de\/singapore\/images\/IMG_0218.jpg\" alt=\"Hinterhof\" \/><\/p>\n<p>Die Hitze trieb mich aber relativ schnell wieder in die N\u00e4he des verabredeten Treffpunktes und so lie\u00df ich meine Augen noch ein wenig \u00fcber das funktionierende Chaos auf den Strassen schweifen und lauschte dem Hupkonzert, dass mich an einen Otto-Sketch erinnert hat (hab leider kein Video im Internet gefunden, sonst h\u00e4tte es an dieser Stelle einen Link gegeben).<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" src=\"http:\/\/www.mistarix.de\/singapore\/images\/IMG_0230.jpg\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.mistarix.de\/singapore\/images\/IMG_0232.jpg\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.mistarix.de\/singapore\/images\/IMG_0245.jpg\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p>Da auch die Halbtagstouren, die in Saigon angeboten werden, schon fr\u00fch am Morgen starten, wir jedoch noch den Zwischenstop im Werk hatten, haben wir in unserem Hotel nachgefragt, ob wir nicht eine Extratour bekommen k\u00f6nnten und f\u00fcr nur 40US$ gab es die dann auch. Der Cousin\/Onkel\/Bruder\/Neffe der ein wenig \u00fcbertrieben l\u00e4chelnden Rezeptionsdame nahm uns bereitwillig in seinem privaten Auto mit nach Cu Chi. Dort wollten wir uns die legend\u00e4ren Tunnel ansehen, mit deren Hilfe der Vietnamkrieg f\u00fcr die Amerikaner \u00e4u\u00dferst unglimpflich ausging. Vor uns lagen 2 harte Stunden Autofahrt.<\/p>\n<p>Wie hart (zumindest f\u00fcr ein paar ausgew\u00e4hlte Verkehrsteilnehmer), das sollten wir erst noch erfahren. Durch das Stadtgewimmel, an das man sich seltsamerweise relativ schnell gew\u00f6hnt, ging es dann auch tats\u00e4chlich mal auf einer zweispurigen Strasse (also 2 Spuren pro Richtung!) nach Norden. Etwa 75,48km und 2,5h sp\u00e4ter gab es auf einmal einen lauten Knall. Dieser kam von der Vorderseite unseres fahrbaren Untersatzes und r\u00fchrte von einem gewollten Zusammenstoss mit eine leicht \u00fcberladenen Moped. Man muss dazu sagen, dass Hupen ja die Hauptbesch\u00e4ftigung w\u00e4hrend der Fahrt f\u00fcr die Vietnamesen ist und diesem Knall sind viele Hup-Arien vorausgegangen. Allerdings fand unser Fahrer dann, dass das Gef\u00e4hrt vor uns anscheinend nicht schnell genug Platz gemacht hatte und so schubste er es einfach von der Strasse! Funken spr\u00fchten, die Ladung verlor den Halt und die geladenen Wellbleche sowie die beiden Fahrer verlie\u00dfen fluchtartig den Moped-Transporter. Besser gesagt, sie fielen in den nahen Strassengraben. Nach blitzartigem Umdrehen unsererseits (die ganze Aktion dauerte ca. 1,8 Sekunden) fiel mir ein Stein vom Herzen, als die beiden wieder auf den Beinen standen und niemand zu Schaden gekommen war. Unser Fahrer lie\u00df eine w\u00fctende Tirade los (nahmen wir zumindest an, denn er sprach nicht ein Wort Englisch) und gab Gas. Wir h\u00e4tten also nicht mal helfen k\u00f6nnen, wenn etwas passiert w\u00e4re.<\/p>\n<p>Kurz nach diesem Zwischenfall kamen wir an und fanden einen absolut verlassenen Parkplatz vor, eine heruntergekommene Mig-21 sowie ein Empfangsgeb\u00e4ude, dessen beste Tage ca. 24 Stunden nach dem Neubau abgelaufen waren. Gl\u00fccklicherweise war noch ge\u00f6ffnet und die Kassiererin konnte uns teilweise klar machen, dass wir ein Ticket zu kaufen h\u00e4tten um uns die Sache mit den Tunneln anzusehen. Haben wir dann auch gemacht und angefangen die Tunnel zu suchen. Nach Schildern sucht man vergebens, wenn man dann doch eins gefunden hat, dann ist es auf Vietnamesisch und man versteht kein Wort! Nach kurzer Suche und erneutem Zwischenstop am Ticketschalter f\u00fcr eine Wegerkl\u00e4rung fanden wir den Ticketschalter f\u00fcr die Tunnelbesichtigung. Keine Angst, ich wiederhole mich hier nicht. Es gab wirklich noch einen Ticketschalter an dem dann (jedoch nur f\u00fcr ausl\u00e4ndische Touristen) ein weiteres Ticket zu l\u00f6sen war. Nicht schlecht, oder?<\/p>\n<p>Ein Guide f\u00fchrte uns dann zu den ersten Tunneleing\u00e4ngen und ich muss sagen, es wurde uns schon ganz sch\u00f6n mulmig. Man muss sich vorstellen, dass wir zu diesem Zeitpunkt wirklich die einzigen Touristen auf weiter Flur waren, Urwald um uns herum und ein Gewitter am Horizont. Und dann f\u00fchrt uns ein soldaten\u00e4hnlich gekleideter Guide an ein Erdloch und meint, dass wir gern hineingehen k\u00f6nnen. Wir sind dann aber seinem Rat gefolgt und fanden uns einem relativ gro\u00dfem Raum unter der Erde wieder, ein Besprechungsraum. Am anderen Ende des Raumes gab es ein kleines Loch in der Wand, dass ich als L\u00fcftungsschacht identifiziert h\u00e4tte, wenn der Guide nicht gemeint h\u00e4tte, dass das die Gr\u00f6\u00dfe der Verbindungstunnel sei. Nicht schlecht. Da kann ich mir schon vorstellen, dass da so einige Amerikaner nicht durchgepasst haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" src=\"http:\/\/www.mistarix.de\/singapore\/images\/IMG_0258.jpg\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Und sie haben die Tunnel f\u00fcr Touristen schon vergr\u00f6\u00dfert<\/p>\n<p>In den Tunneln wurde alles gemacht: gekocht, operiert, Munition und Waffen gefertigt, geschlafen, gewaschen (Kleidung und sich selbst) und nat\u00fcrlich beraten. Das Tunnelsystem ist ca. 250km lang und 18.000 Menschen konnten sich darin aufhalten. Unvorstellbar und auch beeindruckend, was in 20 Jahren Arbeit mit einer Schaufel der Gr\u00f6\u00dfe eine mittleren Blumenkastenschaufel sowie einem Bastkorb gebaut werden kann.<br \/>\nIn einem der unterirdischen R\u00e4ume gab es 3 Tunneleing\u00e4nge und unser Guide, der schon den Feierabend witterte, fragte uns, welchen wir denn nehmen wollten: den langen (50m) oder den kurzen (15m). Nachdem wir nun schon so lange hierher gebraucht hatten wollten wir nat\u00fcrlich alles aussch\u00f6pfen und nahmen den langen Weg. H\u00e4tten wir das mal lieber nicht gemacht. Oder h\u00e4tten wir wenigstens vorher ein paar Kniebeugen zur Aufw\u00e4rmung unserer Schenkel gemacht. Nach ca. 3,5m im Entengang (man kann wirklich nicht geb\u00fcckt geschweige denn aufrecht laufen) brannten mir derma\u00dfen die Oberschenkel, dass ich am liebsten zur\u00fcck gerobbt w\u00e4re um den kurzen Weg zu nehmen.<\/p>\n<p>Aber ich konnte mir nat\u00fcrlich nichts anmerken lassen und hab immer wieder Pausen eingelegt&#8230;nur um Fotos zu machen nat\u00fcrlich \ud83d\ude09 Wieder im Freien habe ich mich gefragt wo die jetzt unterirdisch die Dusche eingebaut hatten, denn ich war komplett durchgeschwitzt. Das schw\u00fcle Wetter trug seinen Teil dazu bei und so sieht man dann aus, wenn man gerade 50m im Entengang inkl. Rucksack unterirdisch zur\u00fcckgelegt hat:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.mistarix.de\/singapore\/images\/IMG_0267.jpg\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p>Nach der F\u00fchrung durch die Tunnel verabschiedete uns der Guide mit dem Hinweis \u201eda vorne dann links gehen&#8220;. Ah ja. Wir sind dann \u201eda vorne links&#8220; gegangen und mussten durch einen geschlossen Souvenirshop vorbei an einem geschlossenem Imbisstand bis zu einer Strasse gehen. Ein Blick nach links offenbarte Wald, ein Blick nach rechts eine Kurve. Wegweiser: Fehlanzeige. Intuitiv gingen wir nach rechts (nat\u00fcrlich die falsche Richtung) und fanden einen sehr sch\u00f6nen chinesischen Tempel, der an die gefallenen Soldaten erinnert hat. Wir gingen weiter und weiter und hatten langsam das Gef\u00fchl, dass wir uns verlaufen hatten. Toll. Wir kamen dann an einen anderen Ausgang des Gel\u00e4ndes an dem wiederum ein Guide sa\u00df. Dieser konnte aber kein Englisch, hat uns aber daf\u00fcr auch direkt ignoriert. Gl\u00fccklicherweise kam uns dann auch schon von hinten (woher auch immer) unser Fahrer im Auto entgegen und wir nahmen ersch\u00f6pft Platz im K\u00fchlschrank auf R\u00e4dern (neben den Hupen m\u00f6gen Vietnamesen auch voll aufgedrehte Klimaanlagen).<br \/>\nDer R\u00fcckweg war noch einmal kurz mit Ungewissheit gewurzt, denn der Fahrer kannte den Weg nicht mehr so genau. Aber nach mehreren Fragen und wild gestikulierenden Passanten fanden wir den Weg und fuhren zur\u00fcck nach HCMC.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.mistarix.de\/singapore\/images\/IMG_0277.jpg\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p>Abends ging es in ein von einer Mitarbeiterin empfohlenes Restaurant in dem wir sehr leckeres Essen f\u00fcr einen sehr erschwinglichen schmalen Taler erstanden haben. Ein sehr sch\u00f6ner Ausklang des aufregenden Tages. Mal sehen, was die eint\u00e4gige Mekong-Delta-Tour morgen bringen wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Agenda f\u00fcr den heutigen Tag sah vor, dass wir den Vormittag mit einem Besuch der lokalen Niederlassung unseres Unternehmens verbringen sollten, um uns dann nachmittags auf den Weg zu den so genannten Cu Chi Tunnel zu machen. Gesagt getan. 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